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Ravensburger Kammersolisten mit Nils Stäfe, Ewald Bayerschmidt und Viktoria Car (von links). (Foto: Babette Caesar)

Ein Konzert – ebenso heiter wie tief berührend

Die Ravensburger Kammersolisten zusammen mit drei Gesangssolisten und einem Moderator haben den Bogen zum Thema „Wie wundervoll die Freiheit ist“ weit aufgespannt. In ihrem Konzert mit Liedern und Gedichten von Fritz Löhner-Beda am Samstag im Theater Ravensburg erinnerten sie an einen Wiener Künstler, dessen glanzvolle Karriere mit Beginn des Dritten Reiches ein jähes und grausames Ende nahm. Einen ebenso heiteren wie tief berührenden Abend erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Still wurde es im halbvollen Saal, als die Sopranistin Viktoria Car, die für die erkrankte Susanne Rath eingesprungen war, Tenor Ewald Bayerschmidt und Bariton Nils Stäfe sich zusammen mit Cellistin Claudia Schwarze, Geiger Iulian Dedu und Pianistin Yuliya Peters an den Bühnenrand stellten und den „Buchenwälder Marsch“ a cappella sangen.

Fritz Löhner-Beda entstammte einer Kaufmannsfamilie

Nach seiner Deportierung am 23. September 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald schrieb Fritz Löhner-Beda den Text. Der ebenfalls verschleppte Klavierhumorist Hermann Leopoldi komponierte die Melodie dazu. „Macht’s ein eigenes Lagerlied auf Buchenwald! An Marsch! 10 Mark fürs beste, aber was Zünftiges!“, zitierte Leopoldi den meist alkoholisierten Lagerkommandanten Rödl. Von allen 24 000 Mann musste es gesungen werden beim Abmarsch zur Arbeit. Das Lied sei im Grunde revolutionär, aber die benebelten Gehirne unserer Antreiber seien nie darauf gekommen bei Zeilen wie „Halte Schritt, Kamerad, und verlier’ nicht den Mut, denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut.“

Friedrich Löhner, am 24. Juni 1883 geboren als Bedrich Löwy, entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wildenschwert in Böhmen, dem heutigen Tschechien.1888 zog die Familie nach Wien, wo Fritz Löhner-Beda in Rechtswissenschaften promovierte. Es war die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in der er freier Schriftsteller wurde und sich der „leichten Dichtkunst“ zuwandte. Als er 1913 Franz Lehár begegnete, bekam sein Künstlerleben den entscheidenden Wendepunkt. Hin zur Operette und zu einem der gefragtesten Librettisten und Schlagertextern Wiens in den 1920er-Jahren.

Mark Bode moderierte Löhners Leben in gebotener Kürze mit ausgesuchten Anekdoten, so dass lebhafte Wechsel von lustvoll bis tief berührend den Abend bereicherten. Walzerfolgen wie „Wiener Praterleben“ und „Drunt’ in der Lobau“ stimmten darauf ein, wonach es mit Ende des Ersten Weltkriegs zum Bruch kommt. Aus Frank Silvers „Yes! We have no bananas“ machte Löhner einen frivolen Schlager voller erotischer Anspielungen, der Titel lautete „Ausgerechnet Bananen“ mit Ewald Bayerschmidts vielgestaltigem Tenor, den er in dem Ohrwurm „Valencia“ nochmals steigerte. Berückend war den gesamten Abend über das Zusammenspiel zwischen Trio und Solisten in einer austarierten Gestaltung, die allen Interpreten genügend Raum bot.

Mit großem Ernst und doch so lustvoll

So Nils Stäfes Bariton in „Oh Donna Clara“, die er nicht nur stimmlich verzauberte. Er bereitete auch mimisch dem Publikum einiges Vergnügen. „Total witzig, ist mal was anderes“ oder „Super, man kennt die Melodien ja alle“, zeigten sich viele in der Pause angetan. Vor allem auch von der aus Hamburg angereisten Wienerin Viktoria Car, die in „Warum hast Du mich wachgeküsst“ zugleich intim und nach außen gewandt Löhners sprachliche Doppeldeutigkeiten ans Licht brachte. Gut verpackt in Lehárs Operettenklänge, aber scharfsinnig in der Aussage. Mit „Mausi, süß warst Du heute Nacht“ und „Ich hab ein Diwanpüppchen“, beide von Paul Abraham und jeweils im Duett gesungen, verhallten die Goldenen Zwanziger. „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ ließ keinen Zweifel mehr an der nahenden Zukunft. Am 4. Dezember 1942 starb Löhner nach schweren Misshandlungen im Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz. Wirklich leicht im Sinne von banal ist Löhners Muse nie gewesen. Das untermauerte das Trio mit John Williams „Theme from Schindlers List“ auf eine alle Sinne ergreifende Weise zum Ausklang.